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Angestellte der Bundesagentur für Arbeit erzählt: „Es muss einfach damit aufgehört werden die Institutionen als Profit-Konzerne zu sehen…“

Veröffentlicht am 05.09.2026

Angestellte der Bundesagentur für Arbeit erzählt: „Es muss einfach damit aufgehört werden die Institutionen als Profit-Konzerne zu sehen…“

Der Arbeitsmarkt 2026: Immer mehr Menschen berichten von Arbeitslosigkeit, Schwierigkeiten in der Berufswahl und einem Gefühl der Perspektivlosigkeit. Diesem Dilemma möchten nicht nur wir als Bildungsträger, sondern auch Institutionen wie die Bundesagentur für Arbeit gekonnt entgegenwirken. Doch wie genau soll das funktionieren? Wie sieht die Zukunft des deutschen Arbeitsmarktes aus und welche Rollen spielen dabei Einrichtungen der Erwachsenenbildung? Diese und weitere Fragen beantwortet mir eine Angestellte der Bundesagentur für Arbeit, Melissa T. (Name von mir geändert) in einem persönlichen Interview:

PlanB: Hallo Melissa. Es freut mich, dass du dir die Zeit genommen hast, um mit uns zu sprechen. Möchtest du uns einen Einblick darüber geben, was du beruflich machst und was eine Angestellte bei der Bundesagentur für Arbeit erledigt?

Melissa T.: Hallo Nejla und hallo auch an die Leser der PlanB Community. Mein Name ist Melissa T. und ich bin gelernte Fachangestellte für Arbeitsförderung. Das ist die offizielle Berufsbezeichnung meiner damaligen Ausbildung. Heute bin ich als Arbeitsvermittlerin bei der Bundesagentur für Arbeit tätig. Das Aufgabenfeld meines Berufes befindet sich in der Beratung und Vermittlung. Das bedeutet, dass ich Arbeitssuchende, Arbeitslose und Ratsuchende Menschen in allen Fragen bezüglich des modernen Arbeitsmarktes berate und begleite. Mein Job fokussiert sich hauptsächlich auf die Bereiche: Berufsorientierung, Weiterbildung und, wie eben schon erwähnt, die Arbeitsvermittlung. So könnte man meinen heutigen beruflichen Alltag zusammenfassen.

PlanB: Wow, da sind wir aber positiv überrascht! Melissa, erzähl uns bitte mehr zum Thema „Arbeitsmarkt 2026“. In welchem Zusammenhang stehen dort die Agentur für Arbeit und Bildungsträger wie zB. Die PlanB? Wie sieht das Verhältnis zwischen Bildungsträger und Agentur aus?

Melissa T.: Puh, also das ist sehr unterschiedlich. In Deutschland gibt es aktuell über 8 Millionen Weiterbildungsangebote und diese sind aus meiner Sicht sehr unstrukturiert. Ich verstehe, dass dieses breite Angebot im Rahmen von Neutralität und Unabhängigkeit existiert; aber wir als Agentur tun uns schwer damit dieses Angebot zu strukturieren. Wir müssen uns täglich damit auseinandersetzen, welches Unternehmen ein möglicherweise lukratives Geschäft bestrebt und welches sich für das tatsächliche Wohl des Kunden einsetzt. Wenn wir dies unterscheiden, und im besten Falle Zweiteres feststellen können, funktioniert die Zusammenarbeit in der Regel auch sehr gut. Wir sind schlussendlich alle daran interessiert Menschen zu helfen. Bei Firmen die nur finanzielle Vorteile im Sinn haben, kommt es unter anderem zu Stressbeschwerden und Auseinandersetzungen. In meinem Beruf erlebt man eben so einiges.

PlanB: Das hört sich aber interessant an. Wie könnte ich denn als Bewerber*in zum Beispiel die Qualität eines Bildungsträgers prüfen?

Melissa T.: Wir als Arbeitsvermittler*innen sind bei dieser Frage konstant zwischen den Werten der Neutralität und der Menschennähe am Jonglieren. In Köln gibt es beispielsweise sehr viele Bildungsträger. In kleineren Städten sind es da meist 5-10 Träger und der Radius der Bekanntschaften ist klein. Da weiß man dann zwischen den guten und schlechten Trägern leicht zu unterscheiden. Trotzdem darf ich kein Unternehmen bevorzugen oder empfehlen. Da muss man dann halt schauen: Wie empfehle ich nichts und schütze aber gleichzeitig meine Kund*innen vor einer schlechten Erfahrung und nutze das Budget der Steuergelder effizient? Es geht bei der Beratung also darum den Kund*innen alle Möglichkeiten so gut es geht zu präsentieren, um einen optimalen Entscheidungsprozess zu gewähren. Der Fokus ist schließlich nicht nur die Steuergelder, sondern auch Träume, Erwartungen und investierte Lebenszeit der Kunden.

PlanB: Anhand welcher Parameter bewertest du oder deine Kolleg*innen dann einen potenziell guten bzw. schlechten Bildungsträger?

Melissa T.: Da höre hauptsächlich auf die Rückmeldungen meiner Kund*innen. Dort achte ich dann darauf, ob die Kund*innen freundlich und hilfsbereit empfangen wurden. Dass gründlich in den Lebenslauf geschaut und dementsprechend beraten worden ist. Pauschale Antworten ohne den individuellen Bezug zu den Klient*innen fallen uns besonders negativ auf. Es geht nämlich darum die Weiterbildung dem bestehenden Lebenslauf anzupassen bzw. zu ergänzen, gleichzeitig aber auch den Blick in die Zukunft zu gewähren. Das gelingt nicht jedem. Mit der Zeit und mithilfe der Rückmeldungen bildet man sich einfach seinen Pool an Meinungen in Bezug auf die Bildungsträger. Was der Träger mit den Kund*innen macht, DAS ist für mich dann das Entscheidende.

PlanB: Was könnten Bildungsträger also künftig ändern oder bessern, um dem stetig wechselnden Bildungs- und Arbeitsmarkt standzuhalten?

Melissa T.: Ich glaube, dass die Anpassung an den Arbeitsmarkt nicht nur auf die Bildungsträger fällt. In Deutschland ist wie erwähnt, die ganze Struktur dieses Arbeitssystems ein wenig ungeordnet und aus meiner Sicht sollte es jährlich eine Bildungskonferenz geben, bei der wir als Agentur uns mit allen Institutionen des Arbeitsmarktes zusammensetzen und alle Bilanzen und Statistiken des Jahres auswerten. Dann kann gemeinsam geschaut werden, wo noch Verbesserungsbedarf besteht und was man anders umsetzen könnte. Es muss einfach daran gearbeitet werden, dass alle Institutionen intensiver miteinander kommunizieren. Es muss einfach damit aufgehört werden die Institutionen als „Profit Konzerne“ zu sehen und vielmehr als Partner im Geschäft wahrzunehmen. Ich denke unsere Arbeit wird in Zukunft sich nur noch um Weiterbildungen drehen und deshalb muss genau diese Zusammenarbeit besser organisiert werden. Wir als Bundesagentur für Arbeit müssen daran arbeiten die Statistiken besser an die Bildungsträger zu vermitteln, um ihnen dann genau sagen zu können, wie sie ihr Bildungsangebot anpassen können.

Aus meinem jetzigen Wissensstand heraus kann ich aber sagen, dass es für Bildungsträger von großer Wichtigkeit ist flexibel zu sein. Erwachsenenbildung zielt auf Menschen, welche sich bereits in einer Familie manifestiert haben und für diese Situationen muss der Träger sich als verständnisvoll erweisen. Die Flexibilität wird auch von Hybridunterricht und Homeoffice stark begünstigt. So garantiert man die perfekten Bausteine für einen vielfältigen Arbeits- und Kundenmarkt.

PlanB: Zusammenfassend gesagt, ist die Menschlichkeit und kontinuierliche Bemühung aller involvierten Institutionen ein wesentlicher Aspekt in der Ausarbeitung und stetigen Verbesserung des heutigen Arbeitsmarktes. Ich bedanke mich für deine Zeit und das Interview mit dir Melissa. Vielen Dank!

Melissa T.: Dankeschön!

Ein Beitrag von Nejla Korajcevic · Titelbild: Unsplash / @Molly Blackbird

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